Bezogene Individuation ist ein Konzept des Heidelberger Psychiaters, Psychoanalytikers und Systemischen Familientherapeuten Wilhelm Paul Stierlin, (* 12. März 1926 in Mannheim; † 9. September 2021).
Ursprünglich bezieht sich die Bezogene Individuation auf das Erwachsenwerden von Kindern und Jugendlichen mit einem gesunden Bezug zum Elternhaus, zur Herkunftsfamilie.
In meiner Arbeit mit finanziell unabhängigen Personen erlebe ich diesen Prozess auch unter Erwachsenen bzw. aus der Rolle von Eltern in Richtung ihrer Kinder.
Nach einem Unternehmensverkauf oder einer Erbschaft kommt es zu einer materiellen Distanz zwischen der finanziell unabhängigen Person und ihrem bisherigen Umfeld.
Meistens sind mit den materiellen Unterschieden auch emotionale und soziale Veränderungen verbunden. Wer „es geschafft“ hat, bringt sein bisheriges System in Unruhe. Neue Prioritäten spielen eine Rolle
- Aus der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat
- Aus dem Führungsteam in die Rolle des Privatiers
- Aus der einfachen Geschwisterrolle in die Position des Außenseiters
Systeme streben nach Selbsterhalt und nach Wiederherstellung der bisherigen Ordnungen. Deshalb kann es zu bewussten, aber auch unbewussten Signalen von Irritation kommen.
Neid und Eifersucht spielen eine erhebliche Rolle im Zusammenhang mit den Beziehungen in Familien und Freundschaften.
Systemisches Coaching kann dazu beitragen, die eigene Position so zu klären, dass daraus eine konturierte und einschätzbare, sichere Standort- und Standpunktbestimmung wird.